Der Fingerabdruck vorne, dennoch ein großes, ausfüllendes Display. Das Honor View 10 verbindet neue Trends und alte Errungenschaften. So kommt ein großflächiges 18:9-Display zum Einsatz. Dennoch verzichtet Honor nicht auf den Fingerabdrucksensor auf der Frontseite.
Aus technischer Sicht wartet der Hersteller, der sich durch alternative Kanäle und Mund-zu-Mund-Propaganda bewirbt, mit einem waschechten Flaggschiff auf, preislich entgegnet man der jungen Zielgruppe mit einem Kompromiss, der da lautet: 499 Euro.
Ob die Attacke auf die Preis-Leistungs-Krone gelingt, oder ob das Honor View 10 hier zum Beispiel gegen das OnePlus 5T die Segel streichen muss, soll dieser Test herausstellen. Die obligatorischen Verweise zum Mate 10 Pro werden ebenfalls auf Tauglichkeit geprüft.
Die wichtigsten Daten des Honor View 10 im Überblick
- Android 8.0 Oreo
- 5.99 Zoll Display
- 18:9 Seitenverhältnis
- Octa-Core Prozessor
- 6 GB RAM
- 128 GB interner Speicher (erweiterbar)
- Dual Kamera (16 + 20 MP)
- 13 MP Frontkamera
Design und Verarbeitung
Das Honor View 10 wurde im Dezember 2017 mit einem großen Versprechen vorgestellt: attraktive Technik zum attraktiven Preis. Fehlt noch das Äußere. Auch hier will Honor natürlich mit Attraktivität punkten – wo mit auch sonst? Das Smartphone besteht vorrangig aus Metallbauteilen. Eine große Platte bildet die Rückseite, ein Matter Rand verbindet sie mit der Vorderseite, die mit Glas überdeckt ist. Das Material sorgt bereits dafür, dass das View 10, einmal hingelegt, keine Rutschpartie hinlegt, wie noch das Honor 9. Dafür sorgt nicht zuletzt das leicht scharfkantige Kamera-Doppel, das in der Ecke doch deutlich hervorragt.
Stilistisch ist das Honor View 10 auch an das Honor 7X angelegt. Beide Geräte wurden fast in einem Atemzug vorgestellt. Die Antennenlinien auf der Rückseite hat Honor durch das Kameramodul an der oberen Gehäusekante entlang geführt, was den edlen Metallic-Look des Smartphones noch unterstreicht. Das Honor View 10 ist neben der getesteten schwarzen Version auch in blauer Farbvariante zu haben.
Nun zum haptischen Eindruck des Honor View 10: Die Seiten verfügen über eine angenehme Rundung. Auf der linken Seite findet sich der Einschub für die SIM-Karte, auf der rechten Seite finden sich stattdessen Power-Button und Lautstärke-Wippe. Am unteren Ende des Rahmens hat Honor nicht nur einen USB-Typ-C-Anschluss und den Lautsprecher verbaut, sondern auch einen 3,5-mm-Klinkenanschluss. Der Huawei-Kollege hat keinen solchen Kopfhörer-Anschluss.
Insgesamt fühlt sich das Honor View 10 sehr hochwertig an und die Verarbeitung macht ebenfalls einen ausgezeichneten Eindruck. Große Spaltmaße oder andere Schwächen im Design hat Honor sich jedenfalls nicht erlaubt. Das Display ist mit 2,5D-Glas verkleidet, was den runden Gesamteindruck des Edel-Smartphones aus Huaweis hipper Herstellung noch verstärkt. Wer nach aufregendem oder eigenwilligem Design sucht, ist beim View 10 jedoch fehl am Platze. Das Smartphone überzeugt eher durch solide und stimmige Gefälligkeit, denn durch eine wagemutige Gestaltung mit Ecken und Kanten. Die Rückseite lässt zudem immer öfter nach einem Putztuch greifen.
Der Lieferumfang des Honor View 10 im Überblick
- USB-C-Kabel
- Netzteil
- Silikon-Schutzhülle
- Standard-Kopfhörer
- SIM-Werkzeug
Den Eindruck der Marke für "digital natives" wird zusätzlich dadurch geschärft, dass dem Honor View 10 keinerlei Papier-Anleitungen beiliegen. Die Funktion soll intuitiv erfolgen, weiß man gar nicht mehr weiter, wird auf die Online-Services verwiesen.
Löblich zu erwähnen ist die transparente Silikon-Schutzhülle, die gratis mit beiliegt. Sie schützt das sensible Gehäuse vor Alltagskratzern und schmiegt sich ohne lästige Wackler und Ungereimtheiten an die Maße des Smartphones an.
Das Honor View 10 überzeugt durch eine gute Haptik bei großer Größe, eine sehr gute Verarbeitung und eine treffende Materialwahl. Die scharfkantigen Kamera-Augen sind nicht jedermanns Sache und wirken gerade im Alltagsgebrauch eher störend.
Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen
Display
Das 18:9-Format mit Minimal-Rändern heißt bei Honor, wie auch bei Huawei FullView und bildet somit das Pendant zum FullVision-Display von LG oder zum Infinity Display von Samsung. Beim Honor View 10 wird es auf knapp 6 Zoll – auf dem Datenblatt werden 5,99 Zoll ausgewiesen – gestreckt. Darauf werden die Inhalte in erweiterter Full-HD-Qualität abgebildet, was 1.080 x 2.160 Pixeln entspricht. Die Pixeldichte liegt also bei 403 ppi, was einen ordentlichen Wert widerspiegelt. Dennoch bleibt Honor der Marschroute treu, die auch Huawei fährt: Trotz großer Displays erhalten auch die ausgereiften Flaggschiffe keine Auflösung über Full-HD-Niveau.
Diese "Kritik" zeigt allerdings nur, was im Marktumfeld so los ist. In der Praxis gibt es an der Anzeige des Honor View 10 wenig zu bemäkeln. Sie strahlt ausreichend hell, wenn es drauf ankommt und verfügt über augenschonende Einstellungen, wenn dies gefragt ist.
Honor View 10 im Test: Display
Die Einstellungen, die man manuell modifizieren kann, sind reichhaltig. Bequemerweise gibt es für einige Modi auch Automatiken, so zum Beispiel für die Helligkeit. Im angepassten Modus steuert die Automatik sicher, manchmal scheint sie etwas träge zu sein, was besonders bei schnellen Licht-Schatten-Wechseln auffällt.
Das Display an sich ist in den Ecken minimal abgerundet. Diese Rundung ist wirklich dezent und verleiht einen zum Gehäuse passenden Touch. Bei anderen Vertretern, so zum Beispiel dem Galaxy S8 oder dem LG G6 ist die Rundung deutlicher, das Huawei Mate 10 Pro hat ein eckiges Display.
Wenig Kritik an Honors 18:9-Display. Technologisch ist das Panel nicht auf dem neuesten Stand, aber das fällt in der Praxis nur ausgewiesenen Experten auf und spart zudem Energie. Für das feine Auge stehen zahlreiche Modifikationsmöglichkeiten zur Auswahl.
Einzelwertung: 4 von 5 Sternen
Ausstattung und Leistung
Alleine die Zahlen in Kombination würden den Verkaufschefs die Dollarzeichen in die Augen treiben. Ein Prozessor der neuesten Generation, der Huawei Kirin 970 wird von satten 6 GB Arbeitsspeicher unterstützt, der interne Speicherplatz bietet 128 GB und kann obendrein noch erweitert werden.
Die beeindruckenden Werte des Honor View 10 sind es, die den Leistungs-Part im Preis-Leistungs-Kampf angreifen. Allerdings sind die Daten auch nur die halbe Miete, entscheidend ist "aufm Platz", eben in der Praxis. Hier gibt sich das View 10 keine Blöße – ob Benchmark-Test oder Alltagsgebrauch.
Der Test-Durchlauf sah neben dem obligatorischen Benchmark-Test auch noch eine Spiele-Session, Streaming von Musik und Video sowie ein halbstündiges Telefonat vor. Zusätzlich wurde die Kamera ausgiebig getestet und verschiedene Apps gestartet. All dies zwang das Leistungspaket im Honor View 10 zu keinem Zeitpunkt in die Knie.
Der ausgeführte Benchmark-Test belegt die hohe Leistungsfähigkeit mit einer Punktzahl von 175.808, was deutlich für das Prädikat "Oberklasse" spricht. Den Vergleich mit den ganz Großen muss das View 10 nicht scheuen. Technisch ist es auf dem neuesten Stand, ist aber natürlich zeitlich hinter dem Gros der 2017er-Handys angesiedelt, sodass einige potenzielle Interessenten eines Oberklasse-Smartphones in dieser Saison schon zugegriffen haben.
Honor View 10 im Test: Benchmark-Tests
Benchmark-Tests im Vergleich
Umfeld | Modell | Benchmark-Wert |
Testgerät | Honor View 10 | 175.808 |
direkte Konkurrenten | Huawei Mate 10 Pro | 176.482 |
Samsung Galaxy S8 | 174.550 | |
Xiaomi Mi Mix 2 | 176.904 | |
ehemalige Spitzenmodelle | Samsung Galaxy S7 | 132.648 |
Huawei Mate 9 | 123.182 | |
OnePlus 3T | 163.521 | |
aktuelle Referenz (Android) | Motorola Moto Z2 Force | 181.823 |
OnePlus 5T | 180.8428 | |
Nokia 8 | 175.517 |
Die Verbindungstabelle unterstreicht das Multitalent-Image des Honor View 10. Die gängigsten Verbindungen – von DLNA ab Werk oder dem mittlerweile selten genutzten MHL-Standard einmal abgesehen – können mit dem Honor View 10 im Zentrum eingegangen werden. Das Handy hebt sich beispielsweise durch den immer noch vertretenen Infrarot-Sender ab, mit dem das Handy als Universalfernbedienung genutzt werden kann. Die Redaktion konnte dies anhand eines Philips-Fernsehers problemlos nachempfinden.
Für Rekordjäger interessant, in der Praxis aber erst einmal irrelevant, ist die maximale Downloadgeschwindigkeit im LTE-Netz. Der Kirin 970 wurde als erster Prozessor vorgestellt, der eine Datenrate von 1,2 Gbit/s, also 1.2000 Mbit/s erlaubt.
Feature | Vorhanden | Funktion |
HSPA |
▲ | Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s |
HSPA+ | ▲ | Erweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s |
LTE | ▲ | Mobilfunkstandard, Down-max 1.200 Mbit/s, Up-max: 100 MBit/s |
USB-OTG | ▲ | Ermöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen |
DLNA | ▲ | Standard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher (nicht ab Werk vorhanden) |
NFC | ▲ | Ermöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren |
Kabellose Display-Übertragung | ▲ | Ermöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät (z.B. Miracast/AirPlay/Google Cast) |
MHL | ▼ | Erlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port |
Infrarot-Fernbedienung | ▲ | Ermöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung |
Bluetooth-Version | ▲ | 4.2 |
WLAN-Standards | ▲ | IEEE 802.11 a/b/g/n/ac |
Qi | ▼ | Ermöglicht das kabellose Laden des Smartphones |
Das Honor View 10 ist allerdings nicht völlig unfehlbar, wenn es an die Ausstattung geht. So hat Honor das Gerät, anders als Huawei das offenkundige Vorbild, nicht mit einem ausgewiesenen Schutz vor Staub und Wasser versehen. Ein Feature, das in kaum einem Flaggschiff mehr fehlt.
Daneben funktioniert die neue Gesichtserkennung "Face Unlock" in der Praxis mehr schlecht als recht. Hier ist der gute alte Fingerabdruck eher das Mittel der Wahl. Der Sensor hierfür befindet sich, wie erwähnt, auf der Vorderseite, sodass er auch genutzt werden kann, wenn das Handy auf einem Tisch liegt. Tipp am Rande: Mehrere Abdrücke einspeichern, zum Beispiel Daumen und Zeigefinder beider Hände, um möglichst flexibel bei der Entsperrung zu sein.
Beim Telefonieren zeigt sich das Honor View 10 stabil. Sowohl der Anrufer als auch der Angerufene können einander gut verstehen. An Mikro und Ohrmuschel gibt es wenig auszusetzen. Aktiviert man die Freisprecheirichtung, nimmt die Qualität jedoch merklich ab.
Die volle Power des Kirin 970, kolossale 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Speicherplatz für Dateien. Umgemünzt können diese Daten restlos überzeugen. Kleinigkeiten wie die fehlende IP-Zertifizierung oder die mangelhafte Gesichtserkennung fehlen zur Bestnote.
Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen
Kamera
Hier liegt der wohl größte Unterschied im Vergleich zum Huawei Mate 10 Pro. Ob sich dieser jedoch so negativ auswirkt, wie es scheint, soll dieser Teil zeigen.
Honor vertraut im View 10 einer Dual-Kamera, die aus einem 20 Megapixel-Monochrom-Sensor und einem 16-Megapixel-Sensor für RGB-Aufnahmen besteht. Die hintergründige Software bastelt aus den beiden Bildern ein Gesamtbild zusammen.
Wie das gelingt, wird in der folgenden Galerie anhand von Testfotos mit der Kamera erläutert:
- Die Kombination aus 20 und 16 Megapixeln sowie einer f/1.8-Blende zeigt sich kontrast- und farbstark.
- Details werden aufgefangen, viel wird nicht weggebrannt.
- Im Monochrom-Modus bleibt die Kontraststärke, Flächen erscheinen naturgemäß etwas stumpfer.
- Bemerkenswert gut werden auch unwesentliche Bestandteile des Bildes aufgenommen.
- Auch her zu sehen: Der Himmel wird nicht einfach weggebrannt, sondern erhält seine Struktur auch auf dem Bild.
- Makros gelingen gut, der Bokeh-Effekt wirkt teilweise zu gewollt. Hier könnte die Software mehr zurückstecken.
- Bei dieser Aufnahme funktioniert es etwas besser.
- Im Monochrom-Modus sogar noch feiner.
- Bei schlechteren Lichtverhältnissen, zeigt sich, dass der Sensor um das nötige Licht kämpfen muss.
- Redaktionshündin Caya ist manchmal zu schnell.
- Im Sprung kennt der Hund kein Halten mehr, die Kamera aber auch nicht.
Die Kamera des Honor View 10 beinhaltet zahlreiche Modi und Zusatzfunktionen. Für die einfache Fotografie kann auf den automatischen oder den manuellen Profi-Modus zurückgegriffen werden. Daneben stellt Honor verschiedene Grundeinstellungen zur Verfügung, mit denen beispielsweise Nachtaufnahmen, Lichtmalerei oder AR besser gelingen sollen. Auch der Videobereich wurde bedacht. Normale Videos können hier maximal in 4K-Qualität aufgenommen werden, in Zeitlupe steht Full-HD-Auflösung bei 120 Bildern pro Sekunde zur Verfügung. Einen optischen Bildstabilisator (OIS) gibt es allerdings nicht.
Die hintergründige Software ist schlüssig aufgebaut: Die App verfügt über drei grundlegende Ebenen, die durch seitliches Wischen angesteuert werden können. Im Zentrum ist die Aufnahme-Funktion. Auf dem linken Bildschirm können die verschiedenen Modi angesteuert werden, rechts vom Aufnahme-Display stecken die Grundeinstellungen. Hält man das Handy im Hochformat, gibt es oben noch einen Balken mit Schnelleinstellungen, wie Blitz, Beauty-Modus, Blendeneinstellung oder Live-Foto-Modus.
Honor View 10 im Test: Kamera-App
An der Kamera ist wenig auszusetzen, aber hier trennt sich die Spreu vom Weizen oder das Mate 10 Pro vom Honor View 10. Das Mate 10 Pro spielt eine Liga über dem Honor View 10, das dennoch ein hervorragendes Foto-Studio mit sich bringt.
Einzelwertung: 4,5 von 5 Sternen
Software und Multimedia
Das Honor View 10 erscheint ab Werk mit der neuesten Benutzeroberfläche EMUI 8.0, die auf Android 8.0 basiert. Vor dem Test erschien bereits ein erstes Software-Update, dies veränderte an der Version oder dem Sicherheitspatch allerdings nichts.
Abgesehen davon, dass Google auch zum Zeitpunkt des Marktstarts bereits Android 8.1 verfügbar gemacht hat, ist die Software also auf dem aktuellen Stand. Bei einem Schweif durch die Apps, wird allerdings schnell klar, wie Honor den vergleichsweise niedrigen Preis auch zustande bekommt: Durch Werbe-Apps. Vor der Ersteinrichtung des Gerätes wird man dazu aufgerufen, mindestens eine "praktische App" zu installieren. Hat man das Gerät eingerichtet, fällt auf, dass noch mehr solcher "praktischen Apps" auf dem Gerät zu finden sind, eine Liste:
- Booking.com
- ebay
- Spider Man
- Kingdoms
- Dragon Mania
- Puzzle Pets
- Asphalt Nitro
- Assassin's Creed
Apps, wie Instagram oder Faccebook, die ein Großteil der Nutzer verwenden dürfte, sind hier noch nicht aufgeführt aber dennoch ungefragt vorinstalliert. Die als Spiele gekennzeichneten Apps können deinstalliert werden, bei den weiteren Apps wie Booking.com oder ebay ist lediglich ein Rücksetzen auf den Werkszustand der App möglich.
Honor View 10 im Test: Menü und Einstellungen
Von der Bloatware einmal abgesehen, kann sich die EMUI-Oberfläche allerdings sehen lassen. Insbesondere für Nutzer, denen die Google-Vorgaben des puren Androids nicht gefallen, dürfen sich bei Honor beziehungsweise Huawei zu Hause fühlen. In den Einstellungen gibt es keine Ebenen, alle Menüpunkte liegen untereinander. Dies begünstigt, dass man in wenigen Klicks an den gewünschten Punkt gelangt, allerdings läuft man auch Gefahr, sich im Menü zu verirren. Die Einstellungs-Suche kann hier Abhilfe schaffen.
Musikfreunde kommen mit Google Play Musik oder dem hauseigenen Player auf ihre Kosten. Die Qual der Wahl haben Nutzer auch beim Mailprogramm, dem Kalender und dem Fotoprogramm. Die App-Dopplungen sind teils lästig, aber wohl unüberwindbar, wenn man – wie Honor – nicht auf pures Android setzen will.
Der Huawei-Musikplayer ist intuitiv gestaltet und versucht, anders als Google Play Musik, nicht ständig Musik-Abos zu verkaufen. Aber so gut der Player auch ist, es zählt, was herauskommt. Der Außenlautsprecher des Honor View 10 ist am unteren Gehäuserand angebracht.

Der aktuelle EMUI-Android-Verschnitt zeigt sich stabil wie eh und je. Ruckelfrei geht es durch die Lande. Dass die Software mit Bloatware zugepackt ist, stört aber teils gewaltig. Es ermöglicht wohl ein Stück weit den niedrigen Preis, das täuscht aber nicht über den Gesamteindruck hinweg.
Einzelwertung: 3,5 von 5 Sternen
Akku
Der Akku im Honor View 10 ist mit 3.750 mAh nomineller Füllmenge etwas kleiner als der des Huawei Mate 10 Pro. Dennoch sollte diese Größe ausreichen, um einen Tag, eher noch mehr, mit dem Honor View 10 durchzustehen.
Die Eckdaten im Akkutest lauten wie folgt: Nach achtstündiger, intensiver Beanspruchung, zeigte die Skala noch 60 Prozent Ladung an. Der Verbrauch an sich wirkt dabei gleichmäßig. Den absoluten Akkufresser gibt es also nicht. Allerdings ist es naturgemäß so, dass insbesondere die Kamera und die Spiele-Session etwas energiehungriger sind als der Rest.
Nach einer darauffolgenden 16-stündigen Standby-Phase stehen noch 44 Prozent auf der Akku-Uhr. Dieser Wert ist etwas enttäuschend, im Schnitt hat das Handy pro Stunde knapp einen Prozentpunkt verloren – und das ohne Feature wie etwa einem Always-On-Display. In der ersten Zeit der Standby-Phase ist allerdings aufgefallen, dass sich das Display beim Empfang einer Nachricht, zum Beispiel einer Push-Benachrichtigung der Mail-App, jedes Mal kurz einschaltete. Ein unnötiger Umstand, insbesondere, weil das Handy über eine Benachrichtigungs-LED verfügt, die in der Regel ausreichen sollte.
Honor View 10 im Test: Akkutest
Ist der Akku einmal im kritischen Bereich angelangt, reicht ein relativ kurzer Stopp an der Steckdose: nach etwa 40 Minuten ist die Ladung von ursprünglich 30 Prozent wieder auf mehr als 80 Prozent geschnellt und die Kondition liegt wieder im grünen Bereich. Verschieden abgestufte Stromsparmodi sollen die Laufzeit für längere stromlose Phasen noch weiter verlängern können – dies ist natürlich mit entsprechenden Leistungseinbußen verbunden.
Modell | Kapazität (mAh) | Akkustand | Verbrauch | ||
---|---|---|---|---|---|
Arbeitstag (8h) | Nacht im Standby (16h) | Intensivtest (8h) | Standby (16 h) | ||
Testgerät | |||||
Huawei Honor View 10 | 3750 | 60 | 44 | 40 | 16 |
direkte Konkurrenz | |||||
OnePlus 5 | 3300 | 66 | 46 | 34 | 20 |
Blackberry Motion | 4000 | 76 | 57 | 24 | 19 |
Huawei Honor 9 | 3200 | 55 | 40 | 45 | 15 |
ehemalige Spitzenmodelle | |||||
Samsung Galaxy S7 edge | 3600 | 66 | 62 | 34 | 4 |
Huawei P10 Plus | 3750 | 47 | 44 | 53 | 3 |
Sony Xperia XZ | 2900 | 51 | 38 | 49 | 13 |
aktuelle Referenzen | |||||
iPhone X | 2716 | 64 | 57 | 36 | 7 |
Samsung Galaxy S8 | 3000 | 58 | 51 | 42 | 7 |
OnePlus 5T | 3300 | 72 | 59 | 28 | 13 |
Der Akku des Honor View 10 zeigt eine ordentliche, stabile Leistung. Das Management funktioniert, lediglich im Standby-Modus könnte der Ladungs-Verlust ein wenig geringer ausfallen.
Einzelwertung: 4 von 5 Sternen
Fazit
Das Honor View 10 ist das absolute Flaggschiff der hippen Huawei-Marke. Aber es ist noch mehr: Mit dem Gerät hat Honor an den richtigen Stellschrauben gedreht um sich erfolgreich vom Huawei-Pendant, dem Mate 10 Pro, abzugrenzen. Anders als das Honor 9 ist das View 10 kein verspäteter "Abklatsch" des Hauptmodells.

Gesamtwertung: 4 von 5 Sternen (84 Prozent)Heruntergebrochen ist das Honor View 10 ein Smartphone mit individuellem Touch, aber bewährter Klasse. Dieses Paket wird zu einem Preis geliefert, der auf dem deutschen Markt nur sehr schwer schlagbar ist.
Tops des Honor View 10
- Kolossale Speicherausstattung
- Preis-Leistungs-König
- Fingerabdrucksensor vorne – trotz FullView-Display
Flops des Honor View 10
- Viel Bloatware
- Hakeliges Kameradesign
- Kein Wasser- und Staubschutz
Preis-Leistung

AlternativenHier krönt sich das Honor View 10 zum aktuellen König, wenngleich es mit dem OnePlus 5T einen ordentlichen Konkurrenten im Nacken hat, der jedoch andere Duftmarken setzen will.
Die Alternativen liegen auf der Hand: Wer sich ein Honor View 10 zulegen möchte, der geht nach Preis und Leistung. Angesprochen wurde bereits das OnePlus 5T und auch das Huawei Mate 10 Pro, das eine Empfehlung für jene sein kann, die etwas mehr Wert auf die Kamera legen.
Ein Tipp für Exoten könnte das Xiaomi Mi Mix 2 sein. Optisch kommt das Randlos-Smartphone gänzlich anders daher, preislich und in Sachen Ausstattung kann das China-Handy mit dem Honor View 10 mithalten.