Smart #1 Brabus im Test: Da steckt viel mehr drin, als du glaubst

10 Minuten
Ist ein Smart der Gegenwart noch mit einem Smart der Vergangenheit zu vergleichen? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und den Smart #1 Brabus im Test umfangreich für euch auf die Probe gestellt. Das kleine SUV kann in vielen Punkten überzeugen. Aber es gibt auch Schattenseiten.
Smart #1 Brabus steht an einer Aral-Ladesäule.
So klein, so gut? Wir haben den Smart #1 Brabus getestet.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Nach dem Smart #3 Brabus (Test) hatten wir auch die Möglichkeit, uns in einem zweiwöchigen Test von den Vorzügen des Smart #1 Brabus zu überzeugen. Dieses E-Auto, das sich die Technik mit dem Volvo EX30 (Test) teilt, ist schon etwas länger in Deutschland erhältlich und steht aktuell in sieben Versionen, sogenannten Lines, zum Kauf bereit. Die Brabus-Ausführung ist das aktuelle Topmodell und ist gegenüber dem Basismodell Smart #1 Pure nicht nur leistungsstärker, sondern auch 12.000 Euro teurer. Lohnt sich dieser Aufpreis?

Smart #1 Brabus im Test: Fahreigenschaften lassen kaum Wünsche offen

Um es direkt vorweg zu nehmen: Mit einem City-Flitzer, wie man einen Smart von früher kennt, hat der Smart #1 wenig bis nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Mit einer Länge von 4,30 Metern und einer Breite von 1,82 Metern ohne Spiegel bringt es dieses E-Auto auf durchaus stattliche Abmessungen. Hinzu kommt eine Höhe von fast 1,64 Metern, die dem leicht erhöht sitzenden Fahrer viel Komfort während der Fahrt bietet; Panoramaglasdach bei der Brabus-Variante samt elektrischem Rollo zur Abdunklung inklusive. Solange man den künstlichen Motorsound in den Fahrzeugeinstellungen ausschaltet. Der klingt nämlich eher unnatürlich und störend.

Vier Fahrmodi (Eco / Komfort / Sport / Brabus) und drei Rekupertionsstufen (es gibt keine Schaltwippen hinter dem Lenkrad!) kannst du als Fahrer auswählen. Die Modi Sport und Brabus benötigt man aber eigentlich gar nicht, weil es auch im Komfort-Modus schon agil nach vorne geht. Wer das pure Sportwagen-Feeling erleben möchte, kann in den Einstellungen eine Raketenstart-Funktion für den Sport- und Brabus-Modus aktivieren. Dann ist das maximal verfügbare Drehmoment abrufbar und es geht von 0 auf 100 in knapp 4 Sekunden. Ob man das wirklich braucht, sei dahingestellt. Nicht weniger als beeindruckend ist diese Leistung bei einem Smart aber allemal.

Spoiler am Smart #1 Brabus.
Sportlich, sportlich: Ein Dachkantenspoiler sorgt für Esprit am Smart #1 Brabus.

Apropos Leistung: In der Spitze sind stattliche 428 PS (315 kW) abrufbar. Der Nickel-Mangan-Cobalt-Akku stellt eine Kapazität von 66 Kilowattstunden (kWh) bereit (netto nutzbar sind 62 kWh) und das maximale Drehmoment liegt bei 584 Nm. In der Spitze lässt sich das Smart #1 Brabus auf bis zu 180 km/h beschleunigen. Zu empfehlen ist eine derart hohe Geschwindigkeit aber nicht, weil der Stromverbrauch dann fast schon schwindelerregende Sphären erreicht.

Interieur mit Licht und Schatten

Die Verarbeitung des Interieurs – versehen unter anderem mit einem 12,8 Zoll großen Touchscreen, einem 9,2 Zoll großen Fahrer-Infodisplay und einem praktischen Head-up-Display – präsentiert sich auf hohem Niveau. Zwar könnten die glatten Plastikbauteile der Mittelkonsole etwas hochwertiger ausfallen, dafür darfst du dich aber auf ein Lenkrad mit Alcantara-Überzug freuen. Dort ist auch eine praktische Favoritentaste zu finden, auf die du zum Beispiel die Auswahlmöglichkeit der verfügbaren Fahrmodi legen kannst. Die Lenkung macht ihre Sache gut, aber ohne viel Feedback. In den Einstellungen kannst du die Stärke der Servolenkung in drei Stufen nach deinem persönlichen Geschmack festlegen. Anders als im Smart #3 Brabus sind die Lüftungsdüsen nicht rund, sondern rechteckig gehalten; aber ebenfalls für einen sportlichen Look beleuchtet. Dass sich die Ambientebeleuchtung stark in den Seitenfenstern spiegelt, ist nicht konsequent zu Ende gedacht.

Smart #1 Brabus - spiegelnde Ambientebeleuchtung im Seitenfenster.
Nicht optimal: Die Ambientebeleuchtung spiegelt sich stark in den Seitenfenstern.

Und noch zwei weitere Dinge sind uns während unserer Fahrten negativ aufgefallen. Zum einen sind die Assistenzsysteme sehr penibel eingestellt. Der Spurhalteassistent lenkt teilweise viel zu stark gegen, was auch Mitfahrern negativ auffällt. Hinzu kommt, dass der Autobahnassistent – nutzbar nur bis 130 km/h – vereinzelt ohne erkennbaren Grund leicht abbremst, wenn man auf der Mittelspur unterwegs ist und ein Lkw auf der rechten Spur fährt. Stört!

Schnell motzt der Smart #1 bei aktivierter Fahrerüberwachung, zudem möge man doch bitte aufmerksam fahren. Der Frontkollisionswarner meldet sich obendrein verhältnismäßig häufig und bremst das Fahrzeug zuweilen auch dann ruckartig ab, wenn eigentlich noch gar keine Gefahr eines Auffahrunfalls besteht. Hier sollte Smart dringend an der Sensibilität nachjustieren. Gleiches gilt für das Navigationssystem. Auf der Autobahn immer wieder hören zu müssen, man solle doch bitte „der Hauptstraße weiter folgen“, ist zuweilen etwas anstrengend.

Nicht optimal gelöst sind auch die Griffe, die während der Fahrt in der Tür verschwinden. Sie sind von oben verschlossen, was das Greifen erschwert. Sie fahren aber immerhin automatisch aus der Tür heraus, wenn man sich dem Auto mit dem Fahrzeugschlüssel nähert. Die entsprechende Proximity-Lock-Funktion sollte man in jedem Fall in den Fahrzeugeinstellungen aktivieren.

Gewöhnungsbedürftige Türgriffe am Smart #1 Brabus.
Gewöhnungsbedürftige Türgriffe am Smart #1 Brabus.

Das Platzangebot: Erwartbar knapp - aber nur hinten

Einmal im Smart #1 Brabus Platz genommen, lädt der Klein-SUV direkt zum Loscruisen ein. Und für Fahrer und Beifahrer geht es erfreulich bequem dem gewünschten Ziel entgegen. Die Sportsitze könnten zwar etwas mehr Seitenhalt bieten, sind abseits dessen aber gut auf die Ergonomie des Körpers abgestimmt. Durch die hohe Bauweise ist auch eine beachtliche Kopffreiheit gegeben. Etwas störend könnte lang gewachsenen Menschen die hohe, geschlossene Mittelkonsole auffallen. Sie schränkt die Beinfreiheit etwas ein. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Wiederum erfreulich: die gute Dämmung. Fahrgeräusche isoliert der Smart #1 gut. Mit einer Ausnahme: Ab 110 km/h haben wir auf der Autobahn leichte Windgeräusche an der Fahrertür ausgemacht. Seinen rahmenlosen Türen muss der Smart #1 Brabus an dieser Stelle Tribut zollen.

Weniger Platz steht in der zweiten Sitzreihe zur Verfügung. Wer im Fond des kleinen SUV Platz nimmt, darf sich zwar ebenfalls über viel Kopffreiheit freuen, nimmt aber recht schnell mit den Knien Kontakt zum Vordersitz auf. Zumindest dann, wenn Fahrer oder Beifahrer weit nach hinten rücken. Ein Randstand von nur 2,75 Metern macht sich hier negativ bemerkbar. Praktisch: Wer mehr Platz im Kofferraum braucht und auf den hinteren Plätzen keine Mitfahrer befördern muss, kann die Rückbank ein Stück nach vorne schieben. Durchaus sinnvoll, denn regulär bietet das Kofferraumvolumen von regulär 313 Litern nicht für viel mehr Platz, als für drei klassische Getränkekisten. Mit umgeklappten Rücksitzen erhöht sich das Ladevolumen auf 976 Liter. Zum Vergleich: Ähnlich wenig Platz im Kofferraum ist im Peugeot e-208 (Test) zu finden.

Beladener Kofferraum im Smart #1 Brabus.
Nicht viel, aber für den Alltag ausreichend Platz bietet der Kofferraum des Smart #1 Brabus.

Unter der Motorhaube ist ein kleiner Frunk verbaut (14 Liter), in dem nur mit viel Fummelei ein Ladekabel zu verstauen ist. Mehr Platz bietet dafür ein Unterboden im Kofferraum. Die elektrische Heckklappe des Smart #1 Brabus kannst du zum Beispiel über die Schlüsselfernbedienung öffnen, aber auch über das Center-Touch-Display im Innenraum. Dort kannst du auch einstellen, wie hoch sich die Heckklappe am Ende öffnen soll – in fünf Stufen. Eine hohe Laderampe musst du nicht befürchten. Zwischen Kofferraumkante und Kofferraumboden sind nur wenige Zentimeter Höhenunterschied auszumachen.

Geöffneter Frunk im Smart #1 Brabus.
Sehr klein: Der Frunk im Smart #1 Brabus.

Verbrauch des Smart #1 Brabus im Test

Direkt vorweg: Wir haben den Smart #1 Brabus für unseren Test grundsätzlich im sogenannten s-Pedal-Modus gefahren. Das damit einhergehende 1-Pedal-Driving erweist sich besonders in der Stadt als komfortabel. Das Auto gewinnt so eine ordentliche Portion Energie zurück, wenn der Fahrer den Fuß vom Strompedal nimmt. In der Stadt konnten wir bei meist frischen Außentemperaturen einen Durchschnittsverbrauch von rund 20 kWh pro 100 Kilometern ermitteln. Wird es draußen wärmer, der Akku etwas erwärmt und zusätzliche Verbraucher sind weniger intensiv im Einsatz, kannst du den Verbrauch aber ohne größeres Zutun auf rund 15 kWh/100 km drücken. Auf der Landstraße lag der Testverbrauch bei knapp 21 kWh/100 km.

Und auf der Autobahn? Hier erweist sich der Smart #1 Brabus auch wegen seines wenig windschnittigen Designs nicht als Stromsparwunder. Im Schnitt haben wir während unserer Fahrten über die A1 und A2 zwischen Ruhrgebiet und Münsterland bei durchgehend eingeschalteter Klimatisierung einen Verbrauch von stattlichen 27,5 kWh gemessen. Deutlich mehr als im Smart #3 Brabus und auch mehr als im Volvo EX30, der in unserem Test auf einen Autobahnverbrauch von 24 kWh/100 km kam. Der Smart #1 Brabus meldet seinerseits einen ähnlich hohen Strombedarf an wie der Volvo EX40 Twin Motor Performance AWD (Test), obwohl er mit 1.900 Kilogramm rund 250 Kilogramm weniger auf die Waage bringt.

Frontansicht des Smart #1 Brabus.
Die Brabus-Variante des Smart #1 lässt sich auch in Zwei-Farben-Optik bestellen.

Der hohe Verbrauch hatte zur Folge, dass die Autobahn-Reichweite deutlich unter den von Smart in Aussicht gestellten 400 Kilometern auf Basis der kombinierten WLTP-Norm lag. Bei weitgehender Einhaltung einer Reisegeschwindigkeit von 130 km/h sind wir mit dem Smart #1 Brabus nur knapp 250 Kilometer weit gekommen. Möglicherweise ist im Sommer etwas mehr Reichweite auf der Langstrecke möglich, wenn der Akku bei Wohlfühltemperaturen zum Einsatz kommt. Überprüfen konnten wir das während unserer Februar-Testfahrten aber nicht.

Gute Ladeeigenschaften

Umso erfreulicher ist es, dass der Smart #1 Brabus auf gute Ladeeigenschaften zurückgreifen kann. Wer etwa eine Schnellladesäule ansteuert, darf sich über eine maximale Ladeleistung von 150 kW freuen. Ein echter Mehrwert ist aber auch die hohe AC-Ladeleistung, die der Klein-SUV abrufen kann. Anders als viele andere E-Autos, die nur auf bis zu 11 kW kommen, schafft es der #1, stattliche 22 kW abzurufen. Das ist nicht nur an vielen Normalladesäulen von Vorteil, wenn sie 22 kW Ladeleistung bereitstellen können, sondern auch an im Fachhandel verfügbaren Wallboxen. Sind nämlich 22 kW verfügbar, gelingt eine Aufladung von 10 auf 80 Prozent in rund drei Stunden, so der Hersteller. Wir haben es getestet und können diesen Wert bestätigen.

Seitenansicht des Smart #1 Brabus.
Smart #1 Brabus: Paradebeispiel für ein sportliches Klein-SUV.

An der Schnellladesäule vergeht jedoch deutlich weniger Zeit. Nach einer vorherigen Autobahnfahrt dauerte es von 24 auf 80 Prozent der maximal verfügbaren Akkukapazität nur 25 Minuten. Bei 8 Grad Celsius Außentemperatur konnten wir in der Spitze für einen kurzen Zeitraum sogar 157 kW Ladeleistung vom Display der Schnellladesäule ablesen. Immerhin knapp 5 Prozent mehr als vom Hersteller in Aussicht gestellt. Weiter auf 90 Prozent SoC haben wir den Smart #1 in 38 Minuten laden können. Eine deutlich schwächere Ladeleistung musst du allerdings in Kauf nehmen, wenn du das E-Auto ohne entsprechend aufgewärmten Akku an eine Ladesäule stellst.

Der Ladeanschluss ist beim Smart #1 Brabus hinten links zu finden. Das Navigationssystem berücksichtigt auch Ladestopps. Damit sie angezeigt werden, musst du sie per Bestätigung auf dem Center-Display aber manuell bestätigen.

Was kostet der Smart #1?

Hinsichtlich der Preisgestaltung stellt Smart potenzielle Interessenten zumindest vor gewisse Herausforderungen. Denn das Auto steht – wie eingangs erwähnt – in gleich sieben sogenannten Lines zur Verfügung. Im günstigsten Fall geht es derzeit bei 36.990 Euro los (Smart Pure) und endet bei 48.900 Euro für den von uns getesteten Smart #1 Brabus. Im Leasing gibt es das E-Auto in der Basisausstattung derzeit bei 0 Euro Leasing-Sonderzahlung, bis zu 10.000 Kilometern jährlicher Laufleistung und 48 Monaten Laufzeit ab 479 Euro. Etwas überraschend: Das Brabus-Modell bietet Smart über seine Homepage bei gleichen Konditionen sogar bereits ab 428 Euro an. Über unseren Partner LeasingMarkt.de bist du schon ab knapp 410 Euro dabei.

Foto: E-auto Smart #1 Brabus (2023)Foto: E-auto Smart #3 Brabus
SmartSmart
#1 Brabus (2023)#3 Brabus
Jahr 2023 2023
Verfügbarkeit ja ja
UVP 48.990,00 € 50.999,00 €
Systemleistung in kW 315 kW 315 kW
Systemleistung in PS 428 PS 428 PS
Reichweite nach WLTP 400 km 415 km
Ladeleistung (AC) 22 22

Fazit zum Smart #1 Brabus: Klein, aber oho!

Für die Entwicklung des Smart #1 sind gleichermaßen der chinesische Hersteller Geely und Mercedes-Benz verantwortlich. Und mit sportlichen Elementen wie roten Sicherheitsgurten, einem feschen Dachkantenspoiler, Lufteinlässen an der Motorhaube, aerodynamischen Seitenteilen und roten Bremssatteln bringt die Brabus-Ausführung flankiert von reichlich Leistung über den Allradantrieb richtig viel Fahrspaß mit. Mit einem Smart, wie man ihn aus der Vergangenheit kennt, hat das kaum noch etwas zu tun. Der Preis? Für einen Smart natürlich recht happig. Aber auch hier: Die E-Autos, die Smart gegenwärtig baut, bieten sehr viel mehr, als man es von früheren Modellen kennt. Am besten solltest du dir mal selbst ein Bild davon machen.

Lufteinlässe an der Motorhaube des Smart #1 Brabus.
Lufteinlässe an der Motorhaube des Smart #1 Brabus.

Vorteile Smart #1 Brabus

  • viel Fahrspaß dank viel Leistung garantiert
  • ordentliche Ausstattung
  • gute Ladeeigenschaften (22 kW AC-Ladeleistung!)

Nachteile Smart #1 Brabus

  • eingeschränktes Platzangebot in der zweiten Sitzreihe
  • sehr kleiner Kofferraum
  • hoher Verbrauch – insbesondere auf der Autobahn

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