Die Autowelt ist zweifelsohne im Wandel. Viele Fans des Verbrennungsmotors trauern diesem zwar schon jetzt nach, doch der Siegeszug des deutlich effizienteren Elektromotors ist offensichtlich kaum noch zu stoppen. Auch die Mineralölkonzerne scheinen diese Sichtweise zu übernehmen und ändern ihr Geschäftsmodell.
Mineralölkonzerne setzen stärker auf Ladestrom
Einst sahen die Konzerne ihre neue Rolle in einer Benzin- und Diesel-losen Zeit eher skeptisch. TotalEnergies ging etwa davon aus, dass E-Autos größtenteils zu Hause geladen werden und verkaufte 2023 große Teile seines Tankstellennetzes in Deutschland und den Niederlanden. Nun stehen die Zeichen in der Branche jedoch auf Neuausrichtung. Allem Anschein nach wollen die Ölkonzerne auch weiterhin eine entscheidende Rolle bei der energetischen Versorgung des Individualverkehrs spielen.
Allerdings setzen sie nicht mehr auf Öl-basierte Kraftstoffe, wie eine Studie zeigt. Dazu setzen sie allerdings nicht ausschließlich auf ein Umwandeln beziehungsweise Ergänzen ihrer Tank- durch Ladesäulen. Vielmehr erschließen sie sich neue Standorte, etwa auf den Parkplätzen von Supermärkten. Auf diese Weise haben die Ölkonzerne mittlerweile einen Marktanteil von 21 Prozent erobert und liegen nun sogar vor den sogenannten Roaming-Anbietern. Deren Modell verliert demnach jedoch an Attraktivität. Roaming-Anbieter bieten zwar große Netze an Lademöglichkeiten, in denen auch die Ladestationen anderer Betreiber (Charging-Power-Operators, kurz CPOs) genutzt werden können. Allerdings verlangen sie dafür eine vertragliche Bindung, für die oftmals eine Grundgebühr erhoben wird.
Auf Rang 3 folgen die CPOs selbst, mit einem Marktanteil von 18 Prozent. Erst danach kommen Energieunternehmen und schließlich Autohersteller, allen voran Tesla, die noch auf 13 Prozent kommen.
Konzentration bei den Anbietern
Neben der wachsenden Bedeutung der Ölkonzerne auf dem Markt für Ladestrom weist die Studie auf eine weitere Tendenz hin. In den drei großen der sechs untersuchten Märkte, also in Deutschland, den Niederlanden und in Spanien, nimmt die Konzentration zu. Die ursprünglichen Benzinverkäufer, die Roaming-Anbieter und CPOs teilen in diesen drei Ländern rund die Hälfte des Marktes für Ladestrom unter sich auf.
Damit sind die Zahlen auch ein Indiz für die wachsende Popularität der batterie-elektrisch angetriebenen Autos. Sie finden eine immer breitere Verwendung, sodass der Bedarf an Anbietern mit einer größeren Verfügbarkeit wächst. Für E-Autofahrer ist das eine erfreuliche Entwicklung. Es wächst nicht nur das Angebot. Die mächtigen Ölkonzerne könnten auch die teils hohen Preise für den Ladestrom unter Druck setzen. Das zeigen nicht zuletzt die Anfang des Jahres von Ionity eingeführten Tarife, bei denen auf eine Grundgebühr verzichtet wird.
