In Zeiten erneuerbarer Energien treten viele Fragen auf, die sich nicht nur Privatpersonen, sondern auch lokale Gemeinden und Organisationen stellen. Wo sind Solaranlagen installiert? Welche Gebäudedächer eignen sich für Solaranlagen? Und wie viel Leistung ist überhaupt an bestimmten Standorten möglich? All diese Antworten liefert eine Karte, die die Forschenden des DLR entwickelten. Auf Basis von aktuellen Luftbildern, Geobasisdaten und KI ermittelten sie die Solarenergie-Potenziale des gesamten Gebäudebestandes in Deutschland.
Solaratlas: Von kleinen Ortschaften bis zu großen Städten
Zum ersten Mal wurde der Solaratlas bei der ILA 2024 in Berlin vorgestellt. „Um effektive Strategien und Instrumente zum Ausbau von Solaranlagen auf Dächern zu entwickeln und umzusetzen, benötigen Entscheidungsträger genaue Informationen zum aktuellen Bestand und zum Ausbaupotenzial“, erklärt der Vorstandsvorsitzende des DLR, Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla. „Die satellitengestützten Informationen, die das DLR bereitstellt, unterstützen die Energiewende. Damit werden sie zum Treiber für innovative Produkte und Geschäftsmodelle. Der Solaratlas des DLR verdeutlicht, wie Erdbeobachtung erfolgreich für den Klimaschutz und einen nachhaltigen Ausbau der Energiegewinnung eingesetzt wird.“
Um die aktuelle Situation innerhalb von Deutschland möglichst genau zu erfassen, werteten die Wissenschaftler aus dem Earth Observation Center (EOC) des DLR verschiedene Datenquellen aus. Unzählige Terabyte an Informationen flossen so in das Projekt EO Solar ein. Unter anderem zählen digitale, verzerrungsfreie Luftbilder dazu, die eine Auflösung von 20 Zentimetern aufweisen. Zusätzlich griffen die Wissenschaftler auf Oberflächenmodelle mit einer Auflösung von einem Meter zurück, die ihnen durch das Bundesamt für Kartografie und Geodäsie zur Verfügung gestellt werden.

Damit das konkrete Ausbaupotenzial für Solarenergie erfasst und beschrieben werden kann, brauchen die Wissenschaftler bestimmte Anhaltspunkte. So berechneten sie etwa die Strahlungsintensität sowie die mögliche elektrische Leistung mithilfe der Sonnenstunden. Zusätzlich wurden dabei auch die Ausrichtungen der Dachflächen und etwaige Verschattungen durch benachbarte Gebäude oder Vegetation wie Bäume berücksichtigt. Durch die einbezogenen Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur sind auch alle bereits gemeldeten Solaranlagen tagesaktuell in der Analyse enthalten.
Offizielle Webseite zugänglich für die Allgemeinheit
Die Ergebnisse des Solaratlas für ganz Deutschland sind dabei öffentlich zugänglich. Die dazugehörige allgemeine Webseite wird in Kürze durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt freigeschaltet. Aus Datenschutzgründen kann dabei jedoch keine Kartierung für einzelne Gebäude auf der öffentlich verfügbaren Webseite in Deutschland dargestellt werden. Die Daten werden daher nur auf Gemeinde-, Landkreis- oder Bundeslandebene angezeigt.
Wenn du dir jedoch entsprechende Google Satellitenbilder deiner Region vornimmst und mit den Kartendaten vergleichst, sollte es ein leichtes sein, das genaue Solardachpotenzial deines Hauses einschätzen zu können. Der Solaratlas ist für die deutschlandweite Planung von Solaranlagen ein großer Vorteil. Denn während sich Informationen zu bestehenden Solarkatastern der Bundesländer, Landkreise und Gemeinden häufig stark im Informationsgehalt unterscheiden, fällt der Solaratlas für alle Regionen detailliert aus. Gerade für Politiker und Unternehmen lassen sich so Solarenergie-Potenziale von Freiflächen besonders genau berechnen.