Sie nennen sich Evelin Hamburg, Modehaus Düsseldorf, Bamberg Boutique oder Zestara Berlin. Alles Shops, die zum Beispiel auf Facebook Anzeigen schalten und dabei so tun, als wären sie keine China-Shops, sondern nette Boutiquen irgendwo in deutschen Innenstädten. Wenn du dir diese Werbung anschaust, fallen ein paar Gemeinsamkeiten auf:
- Sie wirken, als wären sie in bester Innenstadtlage
- Es gibt riesige Rabattaktionen mit bis zu 75 Prozent
- Gratis obendrauf: eine traurige Geschichte als Grund für die Rabatte – angeblich eine Geschäftsauflösung
Doch es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit, die nicht sofort ins Auge fällt – und genau darauf wollen wir dich heute hinweisen: Diese Shops existieren nur online, haben keine echten Ladengeschäfte und sitzen tatsächlich in China.

Finger weg von diesem Shop
Nichts gegen Shops in China per se, klar. Aber ich habe mir das Ganze mal am Beispiel von Zestara Berlin angesehen – die erste Werbung dieser Art, die mir über den Weg lief. Auf Trustpilot gibt es gerade mal 1,5 von 5 möglichen Sternen. Die Bewertungen? Durchgehend mies und mit ähnlichen Beschwerden.
- Erst nach dem Kauf wird klar, dass die Ware aus China kommt.
- Die Lieferzeiten ziehen sich – bis zu drei Wochen sind keine Seltenheit.
- Die Qualität? Unterirdisch. Die gelieferten Produkte haben wenig bis gar nichts mit den edlen Waren zu tun, die du auf den Produktbildern siehst.
Gut, man könnte ja vorher herausfinden, dass die Sachen aus China kommen. Aber dafür müsstest du vor dem Kauf zufällig ganz unten auf der Widerrufsrecht-Seite von Zestara Berlin nachsehen. Dort steht nämlich: „Alle Rücksendungen werden auf Kosten des Kunden an unser Zentrallager in Asien zurückgesandt.“
Was das kostet? Kommt drauf an. DHL verlangt für ein Paket nach China (bis 5 kg) satte 45,99 Euro.
Es wird auf die Tränendüse gedrückt
Pass also auf, wenn irgendwo verdächtig günstige Angebote locken. Generell solltest du eh immer checken, wie ein Shop bewertet ist, bevor du zuschlägst. Aber ich will dir hier auch zeigen, warum es oft eben gar nicht so leicht ist, an diesen Ads einfach vorbeizuscrollen. Denn die Werbung lockt nicht nur mit vermeintlich hochwertigen, drastisch reduzierten Waren – sie setzt auch auf Emotionen.

In meinem Fall war es die Geschichte eines alten Ehepaars, das schweren Herzens seinen Laden in Berlin schließen muss. Die Verkaufszahlen seien zurückgegangen, und deshalb bleibe ihnen keine andere Wahl. Traurig, oder?
Passend dazu siehst du je nach ausgespielter Werbung einen bedrückten, alten Mann (siehe oben), der auf einem KI-generierten Bild vor seinem „Laden“ steht – neben ihm hochwertige Lederschuhe. In einer anderen Zestara-Werbung gibt es ebenfalls ein KI-generiertes Bild des vermeintlichen Ladengeschäfts, dazu ein schönes Innenstadt-Foto. Das Problem? Es zeigt den Storchenbrunnen in Kopenhagen – und nicht etwa Berlin.

Wir haben hier ja ein techaffines Publikum, daher traue ich dir zu, dass du weder auf miese Shops noch auf diese Fake-Tränendrüsen-Geschichten hereinfällst. Aber leider gibt es da draußen immer noch viel zu viele Menschen, denen es einfach an Medienkompetenz fehlt – und die solche Storys für bare Münze nehmen.
Wie kannst du dich schützen?
Wie schon gesagt: Bevor du bei einem unbekannten Shop bestellst, lohnt es sich immer, ihn zu googeln und die Bewertungen zu checken. Auch Verbraucherzentralen sind eine gute Anlaufstelle – dort findest du zum Beispiel eine Fake-Shop-Liste, die dich vor dubiosen Anbietern warnt. Und generell gilt: Wenn ein Shop mit einer rührseligen Geschichte Druck auf die Tränendrüse ausübt, um dich zum Kauf zu bewegen, solltest du besonders misstrauisch sein.
Diese Art von Werbung taucht vor allem auf Facebook auf – einer Plattform, auf der sich viele Menschen tummeln, die nicht unbedingt internetaffin sind. Wenn du solchen Shops auf die Schliche kommen willst, kann es helfen, dieser Facebook-Gruppe beizutreten. Sie hat über 100.000 Mitglieder und entlarvt regelmäßig Fake- und Problem-Shops.
Also, Augen auf! Dank KI werden wir in Zukunft noch häufiger über Betrugsversuche stolpern – selbst bei scheinbar harmlosen Bestellungen wie Blumen. Ja, du hast richtig gelesen: Es gibt tatsächlich Anzeigen für magische Blumensamen, aus denen angeblich Blumen mit Katzenköpfen wachsen sollen.

Kurz gesagt: Bleib skeptisch – und setz im Zweifel auf gesunden Menschenverstand. Wenn ein Bild offensichtlich etwas zeigt, das es nicht gibt – sei es der traurige alte Mann vor seiner angeblichen Nobelboutique, der Papst im stylishen Daunenmantel oder Trump, der mit Putin knutscht – dann sollte bei dir automatisch eine Alarmglocke läuten. Okay, schlechtes Beispiel mit Trump, das könnte vielleicht doch stimmen …
Aber du weißt, worauf ich hinauswill. Und weil wir hier ja alle nette Menschen sind: Denke nicht nur selbst daran, solche Bilder kritisch zu hinterfragen, sondern sprich auch mit deinen Eltern und Großeltern darüber – sie bewegen sich vielleicht nicht so sicher im Netz wie du.
Danke! Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt: „Oh Mann, was hat die KI denn jetzt schon wieder angestellt?“