Die internationalen Wirtschaftsbeziehungen geraten zu Beginn der zweiten Präsidentschaftszeit von Donald Trump durcheinander. Mit einer rigiden Zollpolitik versucht er vermeintliche Ungerechtigkeiten gegenüber den USA zu bekämpfen und den US-Konzernen im weltweiten Wettbewerb eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen.
In anderen Teilen der Welt sorgen die damit verbundenen Entscheidungen für Unverständnis und Gegenreaktionen. Eine dieser Antworten kommt aus der Europäischen Union (EU) bzw. der Kommission und heißt “Go European”. Als Antwort auf die Trump-Doktrin “Make America great again” werden die Bürger Europas angehalten, stärker auf “Made in Europe” achten.
Doch ist ein Verzicht auf Lösungen und Produkte der US-amerikanischen Konzerne bei deren Übermacht überhaupt möglich oder ist unsere Abhängigkeit gar nicht so groß wie wir denken? Gerade bei der für den Zugang zur digitalen Welt nötigen Hardware ergibt sich ein differenziertes Bild.

Prozessoren: Die EU hofft auf RISC
Auch wenn die US-Tech-Konzerne stets ihre herausragende Führungsrolle betonen, ist ihre Macht aufgrund arbeitsteiliger Prozesse dennoch begrenzt. An US-amerikanischen Chip-Entwicklern führt aktuell dennoch kein Weg vorbei. Die CPUs stammen zumeist von AMD, Intel und Qualcomm, bei Chips für Grafikkarten kommt noch Nvidia hinzu. Lediglich Mediatek aus Taiwan könnte in diese Riege aufschließen. Gerüchteweise soll zumindest an Prozessoren für Notebooks gearbeitet werden.
Allerdings stammt der Bauplan für die ARM-Prozessoren aus Europa. Die britischen Entwickler treiben zum einen die Weiterentwicklung des Befehlssatzes voran. Zum anderen liefern sie auch die Konzepte für CPUs und GPUs, die ihren Weg in die SoCs von zahlreichen (kleineren) ARM-Chip-Entwicklern finden.
Darüber hinaus bleibt nur die Hoffnung auf Chips mit einer RISC-V-Architektur. Diese kann von Entwicklern lizenzfrei genutzt werden, erste Modelle werden bereits für Notebooks, etwa das Framework 13, angeboten. Die Europäische Union (EU) bzw. die Kommission sieht hier zwar durchaus Chancen und fördert die Entwicklung in den EU-Grenzen. Allerdings ist ihre Leistungsfähigkeit noch begrenzt.
Beim PC muss lediglich der Prozessor US-amerikanisch sein
Darüber hinaus erweist sich der klassische Desktop-PC als eine gute Grundlage, wenn auf Technik von US-amerikanischen Herstellern verzichtet werden soll. Die meisten Bauteile werden nicht nur in Asien gefertigt, sondern häufig auch dort entwickelt. Das gilt für den nötigen Arbeits- und Datenspeicher, der von Konzernen wie Kioxia, einst Teil des japanischen Toshiba-Konzerns, SK Hynix oder Samsung, geliefert wird. Auch die Mainboards stammen nicht nur aus asiatischen Produktionsstätten, sondern werden auch von Spezialisten wie ASUS, MSI oder Elitegroup entwickelt.
Bei weiteren Bauteilen bietet sich die Chance, in Europa fündig zu werden. Gehäuse, Kühlungen oder auch Netzteile werden auch von hiesigen Anbietern entwickelt. Das gilt etwa für be quiet! oder auch Artic Cooling. Letzterer trägt seinen Spezialisierung bereits im Namen, liefert neben diversen Kühllösungen aber auch PC-Halterungen und sogar ein eigenes PC-Konzept, das unter einer Schreibtischplatte befestigt wird. Allerdings bedeutet das nicht, dass sie auch hierzulande produziert werden.

Peripherie für den PC kann sogar aus Deutschland stammen
Bei der Peripherie, die rund um einen PC nötig ist, sieht es dagegen etwas besser aus. Logitech aus der Schweiz gilt als einer der Spezialisten für Computer-Mäuse, hält aber auch darüber hinaus ein breites Angebot an Headsets, Kameras usw. Und auch wenn Cherry so gar nicht nach Deutschland klingt, ist der Hersteller weltweit einer der Spezialisten für mechanische Tastatur-Switches, die nicht nur in den eigenen Tastaturen verwendet werden. Daneben liefert Cherry auch Headset und Mäuse, wobei auch hiervon vieles in asiatischen Fabriken produziert wird.
Notebooks werden auch in Europa entwickelt
Auch bei Notebooks kannst du auf europäische Anbieter setzen. Neben den großen US-Anbietern wie Apple, Dell oder HP finden sich gleichermaßen Europäer, die zumeist aus der Nische heraus versuchen, Marktanteile zu erobern. Das gilt etwa für den Leipziger Entwickler Schenker, der unter seinem Namen Notebooks für den Geschäftsalltag anbietet, während die zugehörige Marke XMG bei Gamern über die deutschen Grenzen hinaus einen sehr guten Ruf genießt. Über einen solchen kann sich auch Tuxedo freuen, wobei hier weniger die Spieler als vielmehr die Linux-Enthusiasten bedient werden – und damit Klapprechner anbietet, bei denen direkt auf US-amerikanische Software verzichtet wird.

Das Angebot der Wortmann AG reicht dagegen über Notebooks hinaus. Unternehmen bekommen hier nahezu alles, was für ihre IT nötig ist. Das beginnt bei einfachen Desktop-PCs und reicht über Bildschirme bis hin zu Notebooks. Selbst professionelle Speicherlösungen und Server werden angeboten.
Allerdings gilt auch hier: Gefertigt wird in Asien. Entweder werden OEM-Hersteller genutzt, die die jeweiligen Notebooks nach den Vorgaben des Namensgebers produzieren oder es wird auf sogenannten Original Design Manufacturers (ODM) zurückgegriffen. Diese bieten fertig entwickelte Konzepte die lediglich mit dem Namen des Auftraggebers bedacht werden. Letztere müssen allerdings immer noch die nötigen Softwareanpassungen vornehmen.
Wenn du darauf bestehst, dass dein Notebook auch in Europa gefertigt wird, wirst du ebenso fündig. Allerdings musst du kompromissbereit sein: Panasonic fertigt seine – recht speziellen – Toughbooks im britischen Cardiff.
Smartphones und Tablets: Kaum Luft für hiesige Hersteller
Bei Smartphones und Tablets verhält es sich ähnlich wie bei Notebooks. Einst kam mit Nokia der Krösus der Branche aus Europa. Über einige Jahre hinweg fanden sich auch spanischen Hersteller BQ, der längst vom Markt verschwunden ist, in den Prospekten von Telekom, Vodafone und O2. Der französische Hersteller Archos durfte sich auf der Cebit 2014 mit seinen Tablets noch als großer Apple-Konkurrent feiern lassen. Die aktuellen Produkte genügen jedoch nur begrenzten Ansprüchen.
Der ebenfalls aus Finnland stammende Hersteller HMD hat für seine Smartphones und Tablets zunächst auf die Bekanntheit des Namens Nokia gesetzt, spart sich mittlerweile jedoch die Lizenzkosten. Lediglich die einfacheren Feature Phones, bei denen das Design der ersten Nokia-Handys aufgegriffen wurde, werden noch unter dem alten Namen angeboten.
Auch Gigaset versucht bereits seit einer Weile dem schwindenden Interesse an DECT-Telefonen mit Smartphones und Mobiltelefonen für Ältere zu begegnen. Allerdings scheint sich der Hersteller auch verstärkt auf Nischen zu konzentrieren. Die neuen Gigaset-Modelle sind mit dem Namenszusatz “Rugged” versehen und sollen dementsprechend bei wenig pfleglicher Behandlung unter widrigen Umständen überzeugen.

Daneben finden sich einmal mehr Spezialisten wie etwa Fairphone. Dieser setzt auf besonders Nachhaltigkeit. Die unter seiner Ägide angebotenen Smartphones und Kopfhörer können leicht und vergleichsweise umfassend repariert werden. Mit Shiftphone findet sich auch ein deutscher Hersteller, der diesem Vorbild folgt, der seine Nutzer mit einem großen Angebot an Ersatzteilen zur Reparatur von Defekten und nicht zum zumeist üblichen Austausch animieren will.
Problematisch bei Mobilgeräten ist darüber hinaus die enorme Verquickung von Hard- und Software. Wenn Änderungen möglich sind, ist dafür schon ein gewisses Maß an fachlichem Wissen erforderlich.