In Europa werden die chinesischen Autohersteller vor allem als Bedrohung der hiesigen Autoindustrie gefürchtet. Gefördert mit enormen staatlichen Subventionen konnten sie sich in kurzer Zeit zu den weltweit führenden Herstellern batterie-elektrisch angetriebenen Fahrzeugen entwickeln. Nun drängen sie mit ihren Überkapazitäten auf den europäischen Markt – nicht zuletzt mit dem Ziel diesen zu übernehmen und die heimischen Anbieter zu verdrängen. Die Europäische Kommission versucht, diese mit Zöllen ausbremsen und so die heimische Wirtschaft vor der Übermacht der E-Autohersteller aus der Volksrepublik zu schützen.
Um diese zu umgehen, setzen BYD und Co. auf Fertigungen in Europa. Das macht sie unter lokalen Politikern zu gern gesehenen Investoren. Zumal mancher darauf hofft, mit den chinesischen E-Autos die Verringerung des CO2-Ausstoßes zu beschleunigen und damit dem Klimawandel entgegenzuwirken.
Chinesische Hersteller müssen Geheimdiensten Datenzugriff gewähren
Die Warnungen von Fachleuten werden jedoch damit nicht weniger, wie ein Bericht des Londoner China Strategic Risk Institute (CSRI) zeigt. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Hersteller aus China nicht als Unternehmen nach westlichen Maßstäben bewertet werden können. Sie müssen deutlich enger mit dem Staat kooperieren. Das gilt etwa für den Zugriff auf Daten.
Moderne E-Autos sind rollende Rechenzentren. Software-basierten Dienst zahlreiche Funktionen übernehmen – von den Assistenzsystemen über das Energiemanagement bis hin zu Unterhaltungsfunktionen. Eine Vielzahl von Kameras und Sensoren übernimmt die Steuerung zumindest in Teilen – und zeichnet dabei Unmengen von Daten auf, die auf Verlangen auch den chinesischen Geheimdiensten zur Verfügung gestellt werden müssen. Und die bekommen nicht nur Zugriff auf die Daten des Fahrzeugs selbst. Selbst die Informationen von Geräten, etwa Smartphones auslesen, die mit dem Auto verbunden sind, werden an die Geheimdienste übermittelt.
Damit werden die chinesischen E-Autos für die Volksrepublik zu einer Art trojanischem Pferd. Die so harmlos wirkenden E-Autos liefern immer detailliertere Informationen, zumal die Hersteller nicht nur auf private Nutzer abzielen. Mit elektrisch angetriebenen Transportern versuchen sie auch bei Unternehmen Anklang zu finden. So nutzt etwa die Post Österreichs einige Hundert Denzel Maxus, deren Daten für die chinesischen Geheimdienste vermutlich noch interessanter sind.
EU-Kommission zu blauäugig gegenüber China?
EU-Politiker scheinen sich derzeit noch einem solchen Bedrohungsszenario zu verschließen. Zu vielversprechend sind die Vorteile der chinesischen E-Autos beim Erreichen der Klimaziele, zu groß ist der Druck der hiesigen Autohersteller, die Hindernisse beim Zugang zum kurativen Markt in China zu befürchten.
Sie sollten demnach sich jedoch ein Beispiel an der Weitsicht des vormaligen US-Präsidenten Joe Biden nehmen. Dieser hat Zollaufschläge von 100 Prozent auf chinesische Autos nicht zuletzt aus Sorge um die nationale Sicherheit der USA verhängt.