So teuer werden iPhones und Tesla-Modelle dank Trump

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Am 2. April war es so weit: "Liberation Day" in den USA, also Tag der Befreiung! Konkret bedeutet das: US-Präsident Donald J. Trump erhebt quasi für die ganze Welt Einfuhrzölle! Was bedeutet das für uns, wenn wir uns demnächst einen Tesla oder ein iPhone gönnen wollen? Lass uns das mal durchrechnen!
Trump mit Dollarzeichen über seinen Augen lächelt und hebt seine Fäuste zum Feiern.
Trump löst mit seinen Strafzöllen einen Handelskrieg aus.Bildquelle: Carsten Drees / nextpit, erstellt mit ChatGPT

Vorweg: inside digital ist kein Politik- oder Wirtschaftsmedium. Und ich selbst bin auch weit davon entfernt, ein Experte für globale Wirtschaftsverflechtungen zu sein. Aber eines ist klar: Was der Präsidentendarsteller in den USA da gerade entschieden hat, betrifft uns alle – ganz egal, ob du in Europa, den USA oder sonst irgendwo auf diesem Planeten lebst.

Trumps neue Zölle: Worum geht’s eigentlich?

Lass uns gemeinsam reingehen ins Thema – und erst mal kurz zusammenfassen, was da diese Woche im Rosengarten des Weißen Hauses passiert ist:

US-Präsident Donald Trump hat ein ziemlich drastisches Zollpaket angekündigt, das er selbst als „Tag der Befreiung“ der amerikanischen Wirtschaft bezeichnete. Der zentrale Punkt: Ein pauschaler Basiszoll von 10 Prozent auf alle Importe in die USA. Zusätzlich gibt’s Strafzölle je nach Herkunftsland – zum Beispiel 20 Prozent auf Produkte aus der EU, 34 Prozent auf chinesische Waren und 32 Prozent auf Importe aus Taiwan. Eine komplette Liste findest du hier.

Kleiner Funfact am Rande: Auch die antarktischen Heard- und McDonaldinseln stehen auf der Strafzoll-Liste. Einwohnerzahl? Exakt null. Da müssen jetzt wohl die Pinguine die Zeche zahlen.

Trump meint, die USA seien jahrelang durch unfaire Handelspraktiken benachteiligt worden – und diese Maßnahmen seien nötig, um US-Firmen zu schützen, Jobs zurückzuholen und das Handelsdefizit zu senken. Weitere Branchen wie Auto, Elektronik oder Pharma könnten demnächst ebenfalls betroffen sein. Wie genau er auf die Zahlen kommt? Hat er nicht erklärt.

Allerdings wurde später offensichtlich die Formel kommuniziert, mit der die Sätze errechnet wurden. Demnach wird der Handelsüberschuss eines Landes gegenüber den USA durch seine Gesamtexporte geteilt. Diese Zahl halbierst du dann und voilà: Das Ergebnis ergibt die endgültige Höhe der Zölle. Da hätte Trump die Zölle ehrlich gesagt auch auswürfeln können! Zumal die Zölle auch auf Länder erhoben werden, bei denen die USA einen Handelsüberschuss erzielen.

In Trumps Worten bedeuten diese Zölle: „Wir tun jetzt den anderen an, was sie uns jahrelang angetan haben.“ Aber es geht nicht nur um reine Zölle – auch Dinge wie Subventionen, Importauflagen, Diebstahl geistigen Eigentums und Währungsmanipulation fließen in die Bewertung ein. Heißt konkret: Für Außenstehende ist es so gut wie unmöglich nachzuvollziehen, wie zum Beispiel die 39 Prozent für die EU zustande kamen. Oder präziser: Wie das Berücksichtigen dieser Faktoren zufällig exakt diese 39 Prozent ergeben, die auch nach der obigen Quatsch-Formel herauskommen.

Mittlerweile gibt es natürlich auch die ersten Reaktionen und die stellen ein fettes Eigentor Trumps dar. Bislang hatte China nämlich 7,5 Prozent Zölle auf US-Waren erhoben. Nachdem Trump jetzt 34 Prozent Strafzölle für China festlegte, setzte die chinesische Regierung ebenfalls 34 Prozent für die USA an. Dass das für US-Bürger:innen eine fette Preiserhöhung darstellt, kapiert jeder auf Anhieb – okay, fast jeder.

Beim Guardian oder bei Politico bekommst du weiterführende Informationen, bzw. bei der Tagesschau, wenn du einen deutschsprachigen Link wünschst. 

Ihr lebt nicht in den USA? Schade, Ihr habt verloren!

Aber was heißt das jetzt konkret für dich und mich? Ich zeige dir das mal an drei Beispielen. Schauen wir zunächst auf die Märkte außerhalb der USA. Nehmen wir einfach mal an, dass als Reaktion auf Trumps Maßnahmen wie seitens China passende Gegenzölle in ähnlicher Höhe erhoben werden. Was passiert also, wenn du dir bald ein iPhone 16 Pro, ein Tesla Model 3 oder ein Dell XPS 13 kaufen willst?

Zur Einordnung: Ich rechne das hier aus Sicht der EU. Wenn du woanders lebst, müsstest du selbst nachschauen, welche Zölle bei dir anfallen könnten. In unserem Fall gehen wir davon aus, dass auf US-Produkte 20 Prozent Gegenzoll draufkommen.

Stell dir also vor, du willst dir das neue iPhone 16 Pro zulegen – dann kostet dich das Ganze plötzlich rund 1.439 Euro statt des bisherigen UVP von 1.199 Euro. Macht einen satten Aufpreis von 240 Euro. Beim Tesla Model 3 sieht’s noch krasser aus: Da wären mal eben 8.000 Euro zusätzlich fällig, also knapp 48.000 Euro. Und selbst beim günstigsten Dell XPS 13 mit Snapdragon wärst du nach einem Aufpreis von 300 Euro bei knapp 1.800 Euro. Nicht gerade Kleingeld, oder?

Ihr lebt in den USA? Schade, Ihr habt verloren!

US-Bürger:innen sollen durch die neuen Zölle ja angeblich ordentlich Geld sparen. Aber wird das wirklich passieren? Na klar – zumindest in Trumps Fantasiewelt, in der plötzlich alle Firmen weltweit ihre Sachen packen und begeistert in die USA umsiedeln, um dort Fabriken wie am Fließband aus dem Boden zu stampfen.

In der Realität sieht das natürlich ganz anders aus. Ich hab’s im letzten Abschnitt schon angedeutet: Diese Zölle rufen Gegenzölle auf den Plan. Und weil nicht jeder Hersteller mal eben seine komplette Produktion in die USA verlegt, landen all diese Trump-Zölle knallhart auf Waren aus Asien, Europa und überall sonst. Beispiel gefällig? Einen BMW der 3er-Reihe bekommst du in den USA aktuell ab 47.125 Dollar. Mit einem 20-Prozent-Strafzoll bist du dann schon bei 56.550 Dollar – macht schlappe 9.425 Dollar mehr für ein Auto.

Mach dir also bitte keine Illusionen: Die Hersteller werden ganz sicher nicht alle in die USA umziehen – und genauso sicher werden sie die Mehrkosten nicht aus Nettigkeit selbst schlucken. Die Zölle gibst du am Ende zusätzlich an der Kasse aus.

Eine Person hält ein iPhone 16 Pro, zeigt die Rückkamera und das Apple-Logo vor einem verschwommenen Hintergrund.
Seid lieber schnell beim iPhone-Kauf, bevor es teuer wird!

Und falls du denkst: „Kein Problem, ich kaufe ja nur patriotisch Made in USA“ – tja, dann muss ich dich leider enttäuschen. Nehmen wir mal das iPhone. Das wird nicht mal annähernd komplett in den USA gefertigt. Apple schreibt selbst:

Tausende Unternehmen und Millionen Menschen in mehr als 50 Ländern sind Teil unserer Lieferkette und tragen mit ihren Fähigkeiten, Talenten und ihrem Einsatz zur Herstellung, Lieferung, Reparatur und Wiederverwertung unserer Produkte bei.

Heißt konkret: Rohstoffe, Bauteile, Montage – alles quer über den Globus verteilt. Da kannst du also ziemlich sicher sein, dass sich die aktuellen Preise nicht halten lassen. Auf China kommen 34 Prozent Zölle zu, auf Vietnam – wo viele Apple-Produkte wie MacBooks und AirPods herkommen – sogar 46 Prozent.

Und noch ein kurzer Reminder für alle außerhalb der USA: Wenn die US-Preise erstmal steigen, kommen deine Gegenzölle natürlich oben drauf. Das iPhone 16 Pro wird also nicht nur um 240 Euro teurer – sondern um deutlich mehr. Yay.

Fazit und meine Meinung dazu: Gewinner? Gibt’s (fast) keine

Ich hab’s ja gleich zu Beginn gesagt: Von Wirtschaft hab ich wirklich keine große Ahnung. Aber lesen kann ich – und aktuell lese ich, dass weltweit die Aktienkurse die Grätsche machen. Es geht also nicht nur darum, dass einzelne Produkte bald teurer werden. Ein Handelskrieg, ausgelöst durch solche Zölle, kann ziemlich heftige Wellen auf den globalen Märkten schlagen. Aber hey – wenn jetzt selbst Top-Marken wie Apple und Amazon an der Börse abstürzen, überleg dir mal, wer gerade billig einkauft und später wieder richtig absahnt. Genau: Milliardäre rund um den Globus dürften sich gerade freuen.

Und während uns Politiker immer noch die alte Geschichte vom „Trickle-Down-Effekt“ auftischen, sorgen sie real dafür, dass das Leben für Menschen wie dich und mich mal wieder teurer wird – während die Reichen gemütlich weiter an ihrem Vermögen schrauben. Warum ich dir das alles erzähle? Damit du ganz genau weißt, wem du die Rechnung präsentieren darfst, wenn dein nächstes iPhone plötzlich noch teurer wird. Es ist nicht deine Regierung, es sind nicht Geflüchtete – und nein, es ist auch nicht Apple.

Der Schuldige sitzt im Weißen Haus.

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