PV-Anlagen erfreuten sich im vergangenen Jahr großer Beliebtheit, insbesondere bei Steckersolargeräten. Die Anzahl der angeschlossenen Balkonkraftwerke in Deutschland hat sich im letzten Jahr mehr als verdoppelt. Günstige Preise, vereinfachte Regelungen und der Preisdruck durch die hohen Energiekosten trugen maßgeblich dazu bei. Noch immer ändert sich täglich einiges in der Solarbranche. Doch durch die vielen Nachrichten und eine neue Gesetzesnovelle können auch neue PV-Mythen und Unsicherheiten bei Interessenten entstehen. Wir haben mit Herrn Peter Knuth gesprochen, der als Mitbegründer von enerix die Branche seit mehr als 15 Jahren kennt. Das Unternehmen hat mehr als 50.000 PV-Anlagen bereits erfolgreich installiert und weiß, mit welchen Fragen und Sorgen Kunden derzeit an ihn herantreten.
Das sind die derzeit schädlichsten PV-Mythen
In den vergangenen Monaten haben sich einige Änderungen für PV-Anlagen ergeben. Nicht nur, dass heutzutage nur noch Komponenten verwendet werden dürfen, die im Zentralen Register für Einheiten- und Komponentenzertifikate (ZEREZ) erfasst worden sind. Auch große Veränderungen für die Einspeisevergütung haben sich dank einer erst kürzlich verabschiedeten Gesetzesnovelle ergeben. Dadurch herrschen unter PV-Interessenten zurzeit einige Unsicherheiten und Fehlannahmen, was PV-Anlagen betrifft.
1. Für meine PV-Anlage bekomme ich keine Einspeisevergütung mehr
Dieser Mythos ist weit verbreitet, aber falsch. Obwohl es Diskussionen über die Abschaffung der Einspeisevergütung und die Einführung der Direktvermarktung gab, hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Einspeisevergütung nur in Zeiten negativer Strompreise gestrichen wird. Das bedeutet, dass Anlagenbesitzer auch weiterhin von der Einspeisevergütung profitieren können, solange die Marktbedingungen dies zulassen. Zudem wird die Zeit der negativen Strompreise an den EEG-Zahlungszeitraum von 20 Jahren angerechnet, was den finanziellen Rückfluss der PV-Anlage nicht gefährdet.
2. Meine PV-Anlage kann einen Blackout verursachen:
Nach zahlreichen Nachrichten über mögliche Blackouts durch Überlastungen des Stromnetzes sorgen sich Haushalte darüber, was ihre eigene PV-Anlage anrichten könnte. Dabei handelt es sich jedoch um eine unbegründete Besorgnis, laut Peter Knuth. Die Überlastung des Stromnetzes in Deutschland sei in der Regel auf die hohe Einspeisung von großen Solarparks zurückzuführen, die ihren gesamten Strom ins Netz einspeisen, anstatt ihn teilweise selbst zu nutzen. Vereinzelte PV-Anlagen, die hingegen auf Einfamilienhäusern eingesetzt werden, verbrauchen oder speichern einen großen Teil ihres Stroms selbst, anstatt ihn einzuspeisen. „Der Netzausbau wurde jahrelang verschlafen. Bereits mit der Einführung des EEG war klar, der Netzausbau muss vorangehen. Nun alles auf PV-Anlagen auf Einfamilienhäusern zu schieben, ist schlichtweg falsch. Diese tragen schließlich zur Entlastung bei.“
3. Meine PV-Anlage kann von China ferngesteuert und abgeschaltet werden:
Auch diese Annahme hängt mit der Überlastung der Stromnetze zusammen. Um sie gezielt entlasten zu können, sollen Smart Meter flächendeckend in Deutschland eingeführt werden. Dadurch können auch Netzbetreiber die Anlagen steuern und bei Bedarf abregeln, um die Netze stabil zu halten. Viele dieser Smart Meter werden in China produziert, wodurch sich die Panik breit machte, dass China nach Lust und Laune unseren Strom abstellen könnte. „Das stimmt so nicht. Die Regulierung und der Zugriff auf diese Systeme unterliegen strengen rechtlichen Rahmenbedingungen, die sicherstellen, dass die Kontrolle über die Anlagen in den Händen der Betreiber bleibt“, so Knuth.
4. PV-Anlagen und -Stromspeicher sind brandgefährdet:
Immer wieder berichteten die Medien im vergangenen Jahr über Brände bei PV-Anlagen und explodierende Stromspeicher. „Erst vor wenigen Tagen ist in Schleswig-Holstein ein Wohnhaus explodiert. Der PV-Speicher wird als Ursache verdächtigt – die Ermittlungen laufen jedoch noch“, erklärt Knuth. Doch selbst wenn der Stromspeicher in diesem Fall die Ursache war, gibt es keinen Grund zur Panik, wie der Experte erklärt. Laut einer Studie der RWTH Aachen liegt das Brandrisiko von Stromspeichern bei lediglich 0,0049 Prozent – das ist 50-mal niedriger als bei allgemeinen Hausbränden. Bei PV-Anlagen sind es sogar nur 0,0014 Prozent. Das Risiko ist also äußerst gering. Besitzer und Verbraucher müssen keine Angst haben, dass ihre Anlage oder ihr Speichersystem plötzlich Feuer fangen oder gar explodieren.
Worauf müssen sich PV-Besitzer in den kommenden Jahren einstellen?
Zwar müssen sich PV-Besitzer innerhalb der nächsten Jahre auf einige Veränderungen einstellen, diese müssen aber nicht schlecht sein. Vielmehr bieten sie neue Möglichkeiten und läuten ein neues Zeitalter in der Energiewende ein. Aktuell ist vor allem der Wegfall der Einspeisevergütungen in Zeiten negativer Strompreise entscheidend, da so ein größerer Anreiz geschaffen wird, den Eigenverbrauch in Haushalten zu steigern. Dadurch gewinnen nicht nur Batteriespeicher, sondern auch große Verbraucher wie Elektroautos und Wärmepumpen sowie intelligente Steuerungssysteme zunehmend an Bedeutung.
Insgesamt soll der Strommarkt flexibler und digitaler werden. „Smart Meter und dynamische Stromtarife ermöglichen eine bessere Steuerung des eigenen Verbrauchs und eine Entlastung der Stromnetze“, sagt Peter Knuth. Nach dem starken Boom der letzten Jahre dürfte die Nachfrage nach PV-Anlagen in den kommenden Jahren zurückgehen, was zu sinkenden Preisen führen könnte. Gleichzeitig findet eine Marktbereinigung statt – nicht alle Anbieter werden sich langfristig halten können. Ein weiterer Trend ist die wachsende Dominanz asiatischer Hersteller. Wer auf der Intersolar unterwegs ist, sieht: Die meisten neuen Produkte kommen aus China oder anderen asiatischen Ländern.
Was sind die drei wichtigsten Punkte, die PV-Interessenten Ihrer Meinung nach beim Kauf zum jetzigen Zeitpunkt berücksichtigen sollten?
1. Regionalität
PV-Interessenten sollten darauf achten, ob der Anbieter in Ihrer Region tätig ist und sich mit den örtlichen Gegebenheiten auskennt. Eine seriöse Beratung sollte immer eine Vor-Ort-Besichtigung beinhalten, um Dachneigung, Verschattung und andere Faktoren optimal zu berücksichtigen. „Reine Telefon- oder Online-Beratungen ohne Besichtigung sind ein Warnsignal – denn ohne eine detaillierte Analyse können keine verlässlichen Ertragsprognosen erstellt werden“, erklärt der Experte.
2. Langfristige Betreuung (“After Sales”)
Die Anlagen von PV-Besitzern enden nicht mit dem Kauf der Anlage. Auch über die Jahre hinweg kann es immer wieder einen Bedarf an Anpassungen am System geben. PV-Interessenten sollten darauf achten, ob der Anbieter neben dem Verkauf auch einen „After Sales“ anbietet. Eine PV-Anlage ist eine langfristige Investition, daher ist es wichtig, dass der Anbieter auch nach dem Kauf für die Kunden da ist. „Interessenten sollten vorab klären, ob der Anbieter einen zuverlässigen Kundendienst bietet, im Falle von Problemen schnell erreichbar ist und gegebenenfalls Reparaturen oder Wartungen übernimmt.“ Hier zeigt sich erneut die Bedeutung eines regionalen Partners, denn ein lokaler Anbieter kann hier oft schneller und unkomplizierter reagieren.
3. Referenzen
PV-Interessenten sollten mit Referenzkunden sprechen. Erfahrung und Qualität lassen sich in der Regel anhand der Anzahl erfolgreich umgesetzter Projekte sowie der Zufriedenheit bestehender Kunden gut ablesen. Falls ein Anbieter selbst bisher nicht viele Referenzen vorweisen kann – etwa, weil er erst kürzlich gestartet ist – gibt es andere Faktoren, die für die Qualität sprechen. Beispielsweise kann eine etablierte Franchise-Struktur, wie bei enerix, ein Hinweis auf verlässliche Standards sein. In solchen Fällen profitieren Kunden von der Erfahrung und dem Qualitätsmanagement des Franchisegebers, der bewährte Prozesse und Fachwissen sichert. „Im Fall von enerix sind das über 15 Jahre Erfahrung und über 50.000 installierte PV-Anlagen.“