„Vodafone hat das ja sehr geschickt gemacht“, setzte Telekom-Konzernchef Tim Höttges diese Woche bei der Bilanz-Pressekonferenz an zur Schimpftirade gegen seinen Wettbewerber Vodafone. Es ist ihm ein Dorn im Auge, dass immer noch viele Kabel-TV-Haushalte das Kabelfernsehen nutzen können, obwohl sie nicht dafür zahlen. Er spielte damit auf die zahlreichen Schwarzseher im Kabelnetz an. Nun mag es ihm egal sein, ob Vodafone seinen Dienst verschenkt, mag man meinen. Tatsächlich aber liebäugelt die Telekom mit genau diesen Kunden – für ihren eigenen TV-Service Magenta TV. Den gibt es entweder in Kombination mit einem DSL oder Glasfaser-Anschluss – oder aber per App auf den meisten Smart-TVs.
Vodafone fischt Telekom mit Kampfangebot Kunden weg
„Die Leistung dieses Dienstes ist nach wie vor verfügbar“, so Höttges. „Das heißt, er wird zwar nicht mehr [in der Bilanz] gezählt, aber er ist nach wie vor auf der Infrastruktur und nutzt sie auch weiterhin.“ Der Kunde kann also einen Dienst kostenlos für sich in Anspruch nehmen. „Ob das im Sinne des Regulierers war, darüber kann man jetzt streiten“, so Höttges. Denn nach seiner Darstellung nutzt Vodafone diesen Vorteil, um die Kunden bei bestehendem Angebot dazu zu animieren, einen TV-Vertrag abzuschließen. Mehr noch: Idealerweise vermarktet Vodafone direkt Internet und Telefon dazu. Denn noch bis Ende März hat der Kabelnetz-Anbieter ein Angebot in petto, mit dem die Telekom nicht mithalten kann: TV, Telefon und Internet mit 1 Gbit/s für unter 45 Euro monatlich – dauerhaft.
Das zeigt sich auch in den Telekom-Zahlen, die im 4. Quartal 2024 einen regelrechten Neukundeneinbruch aufweisen. Im dritten Quartal 2024 gewann die Telekom noch 38.000 Neukunden für ihre Breitbanddienste, ein Quartal davor noch 41.000 Kunden. „Der Breitbandmarkt wächst nicht mehr so stark und wir sehen einen erstarkten Wettbewerb von Kabelnetzbetreibern. Deshalb haben wir lediglich 16.000 Kunden im vierten Quartal gewinnen können“, so Telekom-Finanzchef Christian Illek.
„Wir wissen, dass Vodafone nach wie vor den Kabelanschluss laufen lässt, ohne ihn zu fakturieren, um mit der Zeit die Kunden für eigene Angebote zu überzeugen“, sagte Illek und bohrte damit nur kurz nach seinem Chef in der gleichen Wunde. Das sei nicht die Idee des Wegfalls des Nebenkosten-Privilegs gewesen, für das die Telekom stark lobbyiert hatte. Es gebe genug Belege von Leuten, dass der Kabelanschluss nach wie vor aktiv sei und immer noch funktioniert, ohne dass er berechnet wird.
Kabel-TV-Signal sperren ist nicht immer möglich
Oftmals dürfte das aber auch technische Gründe haben. Auf diese gingen die Telekom-Manager aber in ihren Reden bewusst nicht ein. So gibt es grundlegend zwei Netz-Architekturen. Bei einem Stern-Netz führt eine Kabel-Leitung in jede Wohnung. Diese Wohnungen können von einem Techniker im Keller des Hauses vom Verteiler abgeklemmt werden. Das ist aber nur mit einem hohen Personalaufwand möglich. Bei einem Baumnetz ist es nicht möglich, einen einzelnen Haushalt abzuschalten, da alle Wohnungen am selben Kabel aufgeschaltet sind. Hier reicht dann ein zahlender Kabelkunde im Haus und schon können alle anderen das Signal mitnutzen.
Vodafone und andere Kabelnetzbetreiber wie Tele Columbus und NetCologne hatten stets angekündigt, sogenannte Schwarzseher in ihrem Netz abzuschalten. Das ist auch in zahlreichen Wohnobjekten geschehen, definitiv aber bis heute nicht flächendeckend.
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