Der Konkurrenzdruck in der Solarindustrie ist hoch. Firmen locken mit möglichst günstigen Konditionen, um sich den Abschluss eines Vertrags zu sichern. Das große Interesse lockt nicht nur seriöse PV-Anbieter, sondern auch fragwürdige Unternehmen sowie Betrüger an. Teilweise können Kunden dabei sogar unwissentlich an Straftaten beteiligt werden, wie das Beispiel einer Masche zeigt, über die wir kürzlich berichtet haben. An dieser Stelle fragt man sich zu Recht: Wie kann man gute Firmen von unseriösen unterscheiden? Peter Knuth ist Mitgründer von enerix, einem Unternehmen, das bereits seit über 15 Jahren in der Branche tätig ist und über 50.000 PV-Anlagen installiert. Der Experte weiß genau, wie man unseriöse PV-Anbieter erkennen kann.
Welches sind die drei deutlichsten Warnsignale dafür, dass es sich um einen unseriösen PV-Anbieter handelt?
Es gibt viele Hinweise darauf, dass du an ein fragwürdiges Unternehmen geraten bist. Solltest du jedoch auf eines dieser drei Signale stoßen, ist besondere Vorsicht geboten. Hier drohen dir hohe Schäden, bei denen im Zweifelsfalle sogar die gesamten Kosten einer PV-Anlage betroffen sein können. Auch rechtliche Konsequenzen sind für Hausbesitzer möglich.
#1 Vorkasse
Ein deutliches Warnsignal ist, wenn Kunden aufgefordert werden, die gesamten Kosten im Voraus zu begleichen. Dies birgt das Risiko, dass das Geld verloren ist, ohne dass eine Garantie für die tatsächliche Durchführung der Installation besteht. „Im Falle einer Insolvenz oder anderer unvorhersehbarer Ereignisse sind die Kunden nicht abgesichert. Daher sollte eine Anzahlung nie über 30 Prozent der Gesamtkosten liegen“, so Knuth. Wenn der zu leistende Betrag diese Grenze überschreitet, handelt es sich in der Regel um ein unseriöses Angebot.
#2 Leistungsverzögerung und schlechte Erreichbarkeit
Ein weiteres Zeichen für unseriöse Anbieter ist, wenn diese sich unangekündigt nicht an vereinbarte Installationstermine halten. Zwischen Vertragsabschluss und der tatsächlichen Montage sollten maximal sechs bis acht Wochen liegen. Zudem sollte das Unternehmen während dieses Zeitraums jederzeit ansprechbar sein. Verzögerungen und Kommunikationsschwierigkeiten sind oft Indikatoren für unzuverlässige Geschäftspraktiken.
#3 Zustand der Baustelle
Sicherheit hat bei der Installation von PV-Anlagen oberste Priorität. Eine professionelle Baustelle sollte mit einem Gerüst, Auffangeinrichtungen und geeigneter persönlicher Schutzausrüstung ausgestattet sein, die die Monteure schützt. Wenn lediglich mit Leitern und Seilen gearbeitet wird, ist dies nicht nur unseriös, sondern verstößt auch gegen gesetzliche Sicherheitsbestimmungen. „Letzten Endes haften auch Hausbesitzer für Unfälle, die auf ihrem Grundstück passieren. Daher ist der Zustand der Baustelle ein wichtiger Faktor.“
Welche weiteren Anzeichen gibt es bei fragwürdigen Unternehmen?
Fehlt die Präsenz des Unternehmens in der Region, kann das ebenso ein Hinweis darauf sein, dass von dem Anbieter keinerlei gute Leistungen zu erwarten sind. Seriöse Unternehmen sind nicht nur online vertreten, sondern ebenso regional und lokal vor Ort anzutreffen. „Die Solaranlagen-Installation ist kein Callcenter- und kein reines Online-Geschäft. Der Kunde will den Verkäufer sehen, das Produkt vielleicht mal in Augenschein nehmen und in den Händen halten. Das schafft Vertrauen“, meint Knuth.
Auch anhand der Preisspanne zwischen dem ersten Angebot und dem finalen Vertragsabschluss lassen sich Angebote besser einordnen. Die Preisspanne zwischen dem ersten Angebot und dem endgültigen Vertragsabschluss sollte sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen, idealerweise zwischen 3 und 5 Prozent. „Wenn die Differenz größer ist, kann dies auf unseriöse Preispolitik hinweisen“, so Knuth.
Warnglocken sollten ebenfalls bei fehlenden oder unzureichenden Referenzen des gewählten Betriebs schrillen. Seriöse Unternehmen können potenziellen Kunden einen Kontakt zu ehemaligen Kunden vermitteln, die von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Idealerweise auch mit einer installierten Anlage vor Ort, die man auf Wunsch besichtigen kann. Kann ein Anbieter solche Referenzen nicht nachweisen oder du kannst diese nicht nachvollziehen, könnte das einen Hinweis auf mangelnde Erfahrung oder unzuverlässige Dienstleistungen darstellen. „Kann ein Unternehmen keine Referenzen vorweisen, sollte man das immer hinterfragen. Ein seriöser Anbieter zeigt gerne seine Leistungen und Errungenschaften.“
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Welche Merkmale zeichnen einen seriösen Anbieter aus?
Glücklicherweise gibt es nicht nur Warnsignale, die fragwürdige Unternehmen herauskristallisieren, sondern auch Faktoren, an denen du dich bei der Wahl eines geeigneten Unternehmens orientieren kannst. „Generell gilt: Je mehr dieser Stichpunkte abgehakt werden können, umso seriöser das Unternehmen“, so Peter Knuth. Die nachfolgende Liste kann dir somit einen guten ersten Eindruck zu deinem PV-Anbieter liefern:
- Erfahrung: Seit wann ist der Anbieter im Solaranlagengeschäft tätig? Ein Blick ins Handelsregister ist im Zweifel hilfreich. Das können Kunden online direkt unter der Webseite handelsregister.de erledigen.
- Detaillierte Angebote und Services: Sind im Angebot alle Positionen im Detail beschrieben? Heißt es im Angebot häufig „oder vergleichbar“, sollte man das streichen lassen. Verpflichtet sich der Anbieter dazu, im Falle einer Störung verfügbar zu sein?
- Kundebewertungen und Referenzen: Wie wird das Unternehmen im Internet bewertet und sind die Bewertungen aussagekräftig und von echten Kunden? Hat der Anbieter Referenzen vorzuweisen? Lass dir diese zeigen.
- Regionalität und persönliche Beratung: Handelt es sich um einen regionalen Anbieter und wie groß ist die Entfernung zum Standort? Regionale Handwerker machen sich durch Vor-Ort-Termine ein Bild der Lage, führen Beratungsgespräche und fühlen sich langfristig ihren Kunden mehr verpflichtet.
- Montage und Installation: Wird die Anlage vom Unternehmer selbst, einem angestellten Mitarbeiter oder von einem Handelsvertreter verkauft? Wer montiert und installiert die Anlage?
- Zertifizierungen: Hat der Anbieter die entsprechenden Zertifizierungen der Hersteller, besonders der Speicherhersteller, vorliegen? „Das ist einer der Gründe, warum wir den BDSH [Bundesverband des Solarhandwerks] gegründet haben. Unser Ziel ist es, Kunden die Sicherheit zu geben, zertifizierte Anbieter schnell zu erkennen und sich auf faire, transparente Preise und eine fachgerechte Installation ihrer PV-Anlagen verlassen zu können.“
- Gesellschaftsform: Welche Gesellschaftsform hat der Anbieter? Eine UG liefert nur wenig Sicherheit für den Kunden. Handelt es sich um einen Handwerks-Meisterbetrieb oder um ein reines Vertriebsunternehmen?
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Was kann man tun, wenn man bereits Opfer eines unseriösen Anbieters geworden ist oder Zweifel am aktuellen Anbieter aufkommen?
Nicht immer kann man vorab verhindern, Opfer eines unseriösen Anbieters zu werden. Es ist daher wichtig, schnell zu handeln, wenn Zweifel an der Seriosität deines Anbieters bestehen oder wenn man bereits Opfer eines unseriösen Anbieters geworden ist. Informiere dich, dokumentiere alle Vorgänge und ziehe gegebenenfalls rechtliche Schritte in Betracht, um deine Interessen zu schützen. Herr Knuth hat einige wertvolle Hinweise, was Betroffene im Ernstfall unternehmen können:
- Dokumentation: Halte alle Kommunikationen, Verträge, Rechnungen und andere relevante Dokumente sorgfältig fest. Diese Informationen sind wichtig, um den Verlauf der Zusammenarbeit zu dokumentieren und mögliche Ansprüche zu untermauern.
- Kontaktaufnahme: Versuche, das Unternehmen direkt zu kontaktieren, um deine Bedenken zu äußern. Oftmals können Missverständnisse durch offene Kommunikation geklärt werden. Stelle klare Fragen zu den bestehenden Problemen und fordere konkrete Lösungen oder Erklärungen.
- Rechtliche Beratung: Wenn das Unternehmen nicht reagiert oder keine zufriedenstellende Lösung anbietet, solltest du dir rechtlichen Rat einholen. Ein Anwalt, der auf Verbraucherrecht oder Vertragsrecht spezialisiert ist, kann dir helfen, deine Optionen zu prüfen und mögliche rechtliche Schritte einzuleiten.
- Verbraucherschutzorganisationen: Wende dich an lokale oder nationale Verbraucherschutzorganisationen. Diese können dir wertvolle Informationen und Unterstützung bieten, insbesondere wenn es um unseriöse Praktiken geht. Die Verbraucherzentrale etwa bietet Kunden die Möglichkeit, Beschwerden gegen Unternehmen einzureichen.
- Einschaltung der Schlichtungsstelle: In vielen Ländern gibt es Schlichtungsstellen oder Ombudsleute, die bei Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Anbietern vermitteln können. Diese Institutionen können helfen, eine Lösung zu finden, ohne dass es zu einem Gerichtsverfahren kommt. Es gibt beispielsweise in Deutschland die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle (AVS) oder die Schlichtungsstelle für Energie.
- Bewertungen und Erfahrungsberichte: Teile deine Erfahrungen online, beispielsweise in Bewertungsportalen oder sozialen Medien. Dies kann andere potenzielle Kunden vor unseriösen Anbietern warnen und erhöht den Druck auf das Unternehmen, auf Ihre Anliegen zu reagieren.
- Rücktritt vom Vertrag: Prüfe die Möglichkeit, vom Vertrag zurückzutreten. In vielen Fällen können Verbraucher innerhalb einer bestimmten Frist von Verträgen zurücktreten, speziell, wenn die vorgelegten Bedingungen nicht eingehalten werden oder die Leistungen nicht erbracht wurden.
- Polizei einschalten: Wenn du Opfer eines Betrugs geworden bist, zögere nicht, die Polizei zu informieren. Du kannst rechtliche Schritte einleiten, die zur Untersuchung des Unternehmens führen.
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